• NOTATION

    • Lieber Besucher, herzlich willkommen auf meiner Seite! 

      An dieser Stelle möchte ich, ähnlich wie in einem Blog, zwischendurch verschiedene Gedanken notieren, zu verschiedensten Themen, die mich bewegen, kurze Notizen, Skizzen, Abbildungen dessen, was inspiriert oder zum Nachdenken gebracht hat - oder zum Lachen. Es ist also ein Versuch etwas festzuhalten, was man normalerweise vergisst und was – zumindest für mich – zu einem bestimmten Zeitpunkt von Bedeutung ist.

       

      1. Oktober

       

      DAMALS (1980) :

       

      ...und HEUTE (bei der Produktion J.S.Bach WTK II) Ob der Mensch sich (außer altern) verändert?

      22. Juli

      Seit längerem wollte ich hier über ein wunderbares Buch schreiben, eins DER BÜCHER, das man im Leben lesen darf. Dieses Buch ist eine so große Bereicherung in jedem Sinne, für Musik- und Lebensverständnis,was ja ineinander greift, so persönlich, so tief. Das unerschöpfliche Wissen des Autors, dem ich so Vieles in meinem Musikverständnis verdanke, lässt erneut staunen, denn alles ist verfügbar und verschmolzen - Musik, Literatur, Geschichte - und Leben/Lieben und Tod, denn darum geht es in diesem Buch:

      "MUSIK UND ABSCHIED" von PETER GÜLKE

      Nun erschien vorgestern eine Rezension in der Süddeutschen Zeitung.

      Hier ein Link.

      Das Buch ist ein Muss für jeden Musikliebenden und Musikergebenen.

       

       

       

      22. Mai 2015

      A. Bergs „LULU“ in der Staatsoper München – ein paar skizzenartige Eindrucke auf die Schnelle.

      Heute war ich in der Generalprobe der neuen Inszenierung, die Premiere ist am Montag, dem 25.05.

      Ein sehr tiefgehendes Erlebnis, erschütternd, ergreifend. Phänomenal klingendes Orchester unter Kirill Petrenko - noch nie hatte ich diese Partitur so klar, so transparent und dennoch leidenschaftlich und fließend gehört. Petrenko hat scheinbar jeden im Orchester und jedes Detail im Bewußtsein und schafft daraus eine Synthese. Alles ist durchlebt, durchdrungen, miteinander verschmolzen. Überwältigend!

      Dmitri Tcherniakov hat eine sehr eindrucksvolle Lösung für das Bühnenbild gefunden – wiedermal ein Bühnenkonstrukt, anders als bei den „Carmelites“ von Poulenc: „glas“-klar und in sich spiegelnd, vereinend und abschirmend zugleich, untermauert das Schicksalhafte, Beklommene, Unausweichliche und das Fremdgesteuerte der Lulu. Sie wird zum Leben durch Marlis Petersen erweckt, die es schafft, dass man über die von ihr dargestellte Figur nicht urteilen möchte. Das ist kein Schauspiel mehr, die Sängerin scheint mit der Rolle völlig zu verschmelzen – das nennt man wohl „verkörpern“. Auch alle übrigen Darsteller - in jeder Hinsicht überzeugend.

      Insbesondere im 1. Akt hatte ich starke Assoziationen mit Rainer Werner Fassbinder, seine Konstellationen, Frauengestalten und zwischenmenschliche Verknüpfungen, die Menschen, die alle so nackt sind.

      Und eine andere, wenn auch vielleicht absurde Parallele, diesmal mit François Truffauts Film „La mariée était en noir“ – im Deutschen „Die Braut trug schwarz“. In jenem Film übt die von Jeanne Moreau verkörperte Julie die Vergeltung an fünf Männer, die im betrunkenen Zustand aus Versehen ihren gerade angetrauten Mann noch während der Kirchenzeremonie mit einem Jagdgewehr erschießen. Nach und nach macht sie alle fünf ausfindig, überlistet und ermordet jeden, den Letzten bereits im Gefängnis, wo sie sich  nach vier Morden und dem Geständnis der Taten (aber nicht ihres wahren Motivs) einsperren lässt. Diese innerlich von einer ungeheueren Wut und Rachegefühl zerfressene Frau, kaum Ehefrau - schon Witwe, ist, wie bereits im Titel des Filmes definiert wird, ganz in schwarz gekleidet.

      In der „Lulu“ Inszenierung von Tcherniakov trägt die Braut-Lulu die ganze Zeit weiß.

      So viele Männer, so viele verschiedene (Braut)Kleider. Weiß – Farbe der Unschuld? Kann eine Mörderin, eine Dirne, ein unschuldiges Weiß tragen?

      Übrigens, fällt mir gerade ein, auch bei den Leher anzutreffen – in Schönbergs „Pierrot lunaire“ (bzw A. Giraud – bzw O.-E. Hartleben):

      Die dürre Dirne mit langem Halse

      Wird seine letzte Geliebte sein…

      Oder ist dieses Weiß gleichzeitig ein Spektrum aller Farben? So wie die Vielschichtigkeit der Menschennatur? Ist der Tod auch weiß?

      Bin stark beeindruckt und begeistert, wenn dieses Wort hier überhaupt zulässig sei, auch wenn es in meiner Seele nach der Aufführung keineswegs weiß ausschaut. ;-)

      Bin nun für das „schwarze“ Erlebnis sehr dankbar.

      Einen größeren Kontrast zu Bach gibt es wohl kaum. Freue mich nun auf die Rückkehr in die absolute Welt der Musik des Wohltemperierten und zu der ganz anderen Art der Leidenschaft, die ganz woanders herkommt.

      Passion.

      Aber darüber vielleicht ein anderes Mal…

      31. März 2015

      24 Stunden des Lebens (eine kleine Gleichung über die mögliche Zeitgestaltung)

      Bestimmt bin ich nicht die erste, der es eingefallen ist, vielleicht besucht dieser Gedanke jeden, der sich so intensiv mit dem Wohltemperierten Klavier von Bach beschäftigt, und dennoch, weil es auf einmal so klar erschien, möchte ich es hier festhalten: Würde man jedes Paar, aus einem Praeludium und einer Fuge bestehend, eine Stunde lang üben, so würde der ganze Band genau 24 Stunden dauern...

       

       

       

      9. Februar 2015

      Erster Eintrag in diesem Jahr

      Es ist nicht so, dass es in diesem Jahr bis jetzt nichts Prägendes geschehen ist, worüber ich hätte schreiben können. Man startet gewöhnlich ein Jahr mit guten Vorsetzen, neuen Bestrebungen und den Hoffnungen auf das Gute. Dem war anfangs auch so, denn gleich zu Beginn des Jahres fand ein wunderbares Symposium am Starnberger See über die Intuition und Inspiration statt, mit Gunter Pretzel, Peter Gülke, Manos Tsangaris u.a. Musikern – und Musikliebenden. Fast schien die Welt stehen zu bleiben, verzaubert durch Musik und Natur.

      Nun wurde man zurück in die Realität geholt, in eine böse, schreckliche, grausame, gnadenlose – Pariser Geschehnisse.

      Die Musik holt die Tote nicht zurück. Nein, das nicht. Nichts holt sie zurück, weder die Journalisten, noch die Menschen, die im jüdischen Supermarket eingekauft haben.

      Nichts holt sie zurück. Dagegen ist man machtlos.

      Ist man naiv, wenn man dennoch (immer noch) glaubt, dass die Musik, überhaupt die Kultur, unsere Welt etwas besser machen können?  

      Ohne dass ich Folgendes in irgendeiner Weise mit der Pariser Katastrophe auf eine Ebene stellen würde, aber wenn es solche Entscheidungen fallen, wie es gerade in München der Fall ist, fühlt man sich auch angegriffen: trotz früherer Versprechen, entschieden sich die Politiker letzte Woche gegen einen neuen Konzertsaal, dafür soll Gasteig lange und aufwendig saniert, „aufgebessert“ werden. Welche Einbußen für das Musikleben der Stadt (und genau genommen für das Kulturleben weit über München hinaus) diese Entscheidung nach sich zieht – das haben gerade in den letzten Tagen viele Musiker erläutert. Eine Petition ist gestartet. Wenigstens sind wir hier nicht ganz machtlos. Wir können was tun. Zumindest unterschreiben:

      https://www.openpetition.de/petition/online/errichtung-eines-konzert-und-kulturzentrums-am-finanzgarten-muenchen

      Weitere Informationen und Hintergründe:

      www.br.de/radio/br-klassik/themen/muenchen-konzertsaal-debatte-sammelseite-100.html

      http://www.konzertsaal-muenchen.de/

       

      17. Dezember 2014

      Ludwig van macht Kinder froh und Erwachsene ebenso?

      Mit Beethovens- Musiksprache: "G-E-As"? - (Wörtlich:"Muss es sein?" - op.135)

      Nein, es muss nicht  sein...

      7. Dezember 2014

      So wie bei manchen Menschen in der Schublade Jugendgedichte versteckt liegen, verbergen sich in einer meinen Kisten  Notenmanuskripten aus der Schulzeit: Neben dem Klavierunterricht besuchte ich an der Spezialmusikschule des Leningrader Konservatorium die Kompositionsklasse von Evgeny Irshai. Diese intensive Beschäftigung mit der Musik aus einem anderen Blickwinkel,  aus der Sicht des Schaffenden und nicht nur des Ausführenden, eröffnete mir viele Geheimnisse der "Werkstatt". Eine der kostbarsten war die Erkenntnis, wie wichtig jedes noch so kleines Zeichen für den Komponierenden ist,  worüber man reflektiert - das hat meine Beziehung zum Notentext entscheidend beeinflusst. Das Komponieren lehrte mich den nötigen Respekt gegenüber der Partitur aufzubringen, der ich als Interpret begegne, aber gleichzeitig auch" zwischen den Zeilen" zu lesen.

      Nun, neben etlichen Liedern, u.a. zu den Gedichten von Anna Achmatova, eine verbrannte (auf Nimmerwiedersehen) Violinsonate, alle möglichen Kammermusikbesetzungen (aber fast nichts für Klavier solo) entstand 1987 ein Streichquartett, den Sie, wenn Sie mögen, bei MEDIA / SAMPLES nachhören können.

      In dieser Musik steckt all das, was mir zu der Zeit in der Musik wichtig war: Schostakowitsch und Mahler, und natürlich die Streichquartette von Beethoven, vor allem cis-moll op. 131. Alle diese Werke sind bis heute in meinem "Lebensgepäck" mit dabei, egal, wo ich bin und womit ich mich beschäftige.  Dieses Jugendwerk hat natürlich keinerlei Anspruch an solchen Größen gemessen werden, da mich seinerzeit gerade dieser Vergleich vom weiteren Komponieren sicher bewahrte. Aber als "Portrait des Künstlers in Jugendjahren" darf das Quartett  "ausgehändigt" werden...

      Drei Sätze - ineinander attacca übergehend, rutschen vom e-moll des 1.Satzes, Allegro ma non troppo, über d-moll, der sich bereits am Schluß des Eröffnungsatzes einstellt und sogleich vom Lento, dem 2.Satz, aufgegriffen wird, dieser seinerseits, in weiten Lage beginnend, nach innen schrumft und schliesslich zum letzten Satz - quasi Requiem - im cis-moll mündet.

      Auch heute bin ich dem "Rimsky-Korsakov"- Quartett äußerst dankbar, dass sie sich damals meiner angenommen haben und es für möglich hielten das Stück einer Fünfzehnjärigen in der Leningrader Philharmonie aufzuführen.

       

       

      1. Dezember 2014

      Den ersten Eintrag möchte ich dem französischen Filmregisseur Eric Rohmer widmen, dessen Filme ich sehr mag. Neulich bin ich auf sein Buch "Von Mozart zu Beethoven" gestoßen. Vom Titel fasziniert, insbesondere, weil Rohmer in seinen Filmen keine Begleitmusik verwendet (außer in frühem Werk "Kreutzersonate"), und weil mir seine Liebe und unglaubliche Kenntnisse der klassischen Musik bisher nicht bekannt waren, musste ich sofort anfangen zu lesen.

      Der erste Satz lautete: "Alle Welt hat das Recht, über Musik zu sprechen" ...

      Das ist doch ein gutes Motto...